Mittwoch, 8. Februar 2012

Update Statistik - Numbers needed to treat and more ....

Das Lesen der medizinischen Fachjournale stellt häufig hohe Fachkenntnisse an unsere biometrischen bzw. statistischen Kenntnisse. Buchempfehlungen zu diesem Thema haben uns ja schon früher beschäftigt. Eine wichtige statistische Kenngröße sind die "Numbers needed to treat", also die Anzahl von Patienten, die therapiert werden müssen, damit eine Person "profitiert" (häufig ist dies der Endpunkt "Sterblichkeit", aber es könnte auch die Anzahl von Patienten benannt sein, die behandelt werden müssen, dass z.B. akute Kopfschmerzen erfolgreich therapiert werden). Weitere Infos finden sich im Netz, z.B. bei Wikipedia. Kurz und gut, es wird die Anzahl der notwendigen Behandlungen benannt, damit ein Patient profitiert. Man muss noch auf den untersuchten Endpunkt schauen (ist dieser wirklich relevant), dann hat man ein gutes Gefühl für das für und wider einer Therapie.

Leider sind diese Kennzahlen nur selten in den Fachjournalen publiziert, und ermöglicht uns nicht einen raschen Überblick zu bekommen. Insbesondere die Studien zu notfall- und intensivmedizinischen Themen sind ziemlich rar .... richtig einflußreiche Studien gab es erst in den letzten Jahren (Intensivierte Insulintherapie, Gabe von Hydrocortison beim septischen Patienten etc.). Meist geben Cochrane Analysen einen guten Überblick, stehen aber auch manchmal wegen der Auswahl der Studien, die zur Analyse verwendet wurden, in der Kritik.

In einem Kommentar zu einem früheren Post wurde ich auf die Website "The Numbers Needed to Treat" aufmerksam gemacht. In einer sehr kritischen und sehr kompetenten Art und Weise werden wichtige Therapiestrategien auch aus unserem Tätigkeitsfeld beleuchtet und transparent gemacht. Ich muss sagen alle Achtung! Die besprochenen Aspekte empfand ich als sehr kompetent bewertet, eine hervorragende Quelle im Netz (ist nun auf meinem Schirm! Danke für den Hinweis!) .... trotzdem bleibt eine Restvorsicht ... trotz auch diversen Fehlinformationen und Fällen von Scientific Misconduct sollten die großen Peer Reviewed Journale unsere Infoquelle größten Vertrauens bleiben! By the way .... ein aktueller Survey im BMJ geht davon aus, dass 1 von 7 britischen Forschern seine Daten frisiert, beschönigt, konstruiert, ..... Harter Tobak, und bei uns wird es nicht besser sein ..... Trotzdem nicht frustrieren lassen ;-)

Zurück zum eigentlichen Thema:
So wird unter www.thennt.com unsere unreflektierte Heparingabe bei allen Patienten mit V.a. akutes Koronarsyndrom aber sehr gehörig durcheinander gebracht und in einem begleitenden Blog auch noch kommentiert. Dieses spezielle Thema hat mich persönlich sehr verunsichert, da es natürlich die bisherige Lehrmeinung durcheinander wirbelt ... leider kann ich diesbzgl noch kein klares Statement abgeben .... aber die Argumente der Bostoner Autoren sind sehr nachvollziehbar und weisen darauf hin, dass wir uns vermutlich gehörig anpassen müssen. Zwischenzeitlich habe ich dies auch mit unseren stets hervorragend informierten Oberärzten und Fachärzten diskutiert. Diese schließen sich auch der im Blog von ww.thennt.com vorgebrachten Argumentationen beim "unselektierten Kollektiv von Patienten mit Thoraxschmerzen" an! (VORSICHT: Diese Aussage gilt für das Gesamtkollektiv von Patienten mit Thoraxschmerzen, die sich bei uns vorstellen, die Heparingabe bei STEMI und NSTEMI wird hier nicht diskutiert und sollte unverändert erfolgen).

Zusammenfassend sollten wir öfters auf die NNT schauen, und die zitierte Seite inspiriert sehr und regt zum Nachlesen und Nachdenken an .... eigentlich unser Thema ....

Kommentare:

  1. Lieber Michael
    passend zu deinem Blog von heute morgen ist der Artikel: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC300808/pdf/32701459.pdf
    Wir brauchen mehr GMV (gesunden Menschenverstand) in der Medizin ! Gruss
    Andreas

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  2. Guten Morgen,

    das ging ja sehr schnell bzgl. www.thennt.com. Genau diese Verunsicherung hat mich beim Lesen auch erfasst. Schließlich werden da regelrecht Mauern eingerissen. Zum GMV in der Medizin möchte ich auch unbedingt auf die letzten 10 Minuten des Podcasts "CTs in minor head injury" von Dr. Newman auf smartem.org hinweisen, in welchem er auf den Mangel an "making some real doctoring" beklagt.
    Nochmals vielen Dank für diesen unglaublich schnellen Post zu www.thennt.com

    Grüße
    UB

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