Mittwoch, 11. Juli 2012

Intensivmedizin Update - "preventing ventilator-associated pneumonia"

Heute eingeschoben ein intensivmedizinisches Thema: Prävention der Ventilator-assoziierten Pneumonie. Aufmerksam wurde ich durch einen Beitrag bei unserer Mikrofortbildung, in dem der im Link dargestellte Artikel vorgestellt und diskutiert wurde.


Das Wichtigste zuerst: So viel hat sich offensichtlich nicht getan, die Problematik der Ventilator-assoziierten Pneumonie wird kurz anhand eines Beispielfalles aufgegriffen und thematisiert. Auch die Definition der VAP wird wiederholt, wobei es offensichtlich unterschiedliche Definitionen gibt, welche dann natürlich auch die Surveillance problematisch werden lässt.

Wie bereits in einem anderen Zusammenhang diskutiert, ist es notwendig, mehrere Handlungen durchzuführen, damit eine VAP vermieden werden kann. Momentan wird eine 45 °Grad Oberkörperhochlage, eine tägliche Pause der Analgosedierung sowie die tägliche selektive orale Dekontamination mit Chlorhexidin empfohlen. Nur alle Handlungsweisen gemeinsam führen zu einer Reduktion der Häufigkeit der VAP und deshalb spricht man auch gerne von einem "Präventions-Bundle".

Sehr interessant ist es, dass durchaus auch neue STrategien diskutiert werden, die derzeit in tierexperimentellen Modellen diskutiert werden (z.B. Seitenlage, Kopf-Tieflage etc.). Diese sind aber noch nicht etabliert (größere Studien am Menschen sind abzuwarten).

Die subglottische Absaugung wird angesprochen (hier gibt es widersprüchliche Ergebnisse, wir führen diese standardisiert bei erwarteter längerer Intubation bei Immunkomprimittierten durch), aber auch mechanische Techniken (ich würde sagen "Rohrputzer", offiziell heißen sie "Mucus Shaver") zur Reinigung des Endotracheal-Tubus werden vorgestellt. Alle dies Punkte sind jedoch noch weit von der klinischen Etablierung entfernt.

Trotzdem, ein sehr lesenswerter Artikel, der insbesondere für intensivmedizinische Einsteiger einen sehr gut recherchierten Überblick gibt.

Kommentare:

  1. Auf jeden Fall ein interessantes Thema...
    Machen Sie selektive orale Dekontamination? Ich kann mich erinnern, dass ich diese Empfehlung schon vor mehreren Jahren erstmals in einem Buch (ich glaube dem ICU-Buch) gelesen habe, aber de facto habe ich es noch auf keiner Intensiv regelhaft eingesetzt gesehen...

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  2. Die Mühlen mahlen leider manchmal langsam. u.a. musste die notwendige Paste erstellt werden. Schrittweise führen wir dies ein. Herzlichen Gruß nach Norden

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