Dienstag, 10. April 2012

See one, do one, teach one ....

Das Legen von Venenkathetern macht manchmal durchaus seine Schwierigkeiten. Wer kann sich nicht an vergebliche Versuche einer ZVK Anlage erinnnern? Oder wer hat nicht mal die Arterie getroffen bzw. einen Pneu gestochen?


Dies liegt an verschiedenen Punkten:
a) "See one, do one, teach one" ist zwischenzeitlich als Lehrkonzept out, um nicht zu sagen megaout. Dies liegt daran, dass die Lerneffektivität mit dieser seit Jahrzehnten praktizierten Methodik mau ist, und sich durch das individuelle Erlernen prozeduraler Skills auch Fehler einschleichen. Zwischenzeitlich haben sich die Unis weiterentwickelt und haben Simulationszentren eingerichtet. Wer mehr Interesse an diesen neuen Lehrmethoden hat, kann sich den Vortrag von PD P. Weyrich, den er auf unserem Adventssymposium 2011 gehalten hat, anschauen, oder in einem gut geschriebenem Buch zu Practical Teaching in Emergency Medicine nachlesen. Auch als Kindle Book erhältlich.

b) Wir orientieren uns z.B. bei der Anlage von ZVK an anatomischen Orientierungspunkten (landmarks). Durch Variabilität der Anatomie kann die Anlage unmöglich sein. Erinnere mich an erfolglose Versuche einer Katheteranlage in der V. femoralis (bzw. entsprechende Versuche) und nach Visualisierung stellte ich fest, dass die Vene unter der Arterie verlief. Welche Lösung gibt es?

c) Zwischenzeitlich sollte in den meisten Fällen eine sonographische Darstellung erfolgen. Dies erleichtert das Einlegen und reduziert die komplikationsrate. In Medscape habe ich eine interessante Zusammenstellung mit
Videokommentierung gefunden (man muss sich kostenlos registrieren, dies lohnt sich!). Auch You Tube bietet hier ganz viel Material. Aber aufpassen: manche Videos können auch fehlerhaft sein. Lieber im Zweifelsfall ein gutes Buch zur Hand nehmen (z.B. von Rogers et al, mit vielen Bildern! Gibt es bei uns in der Klinikbibliothek).

Die Anpassung von Teaching zum Erlernen prozeduraler Fähigkeiten steht auf unserer Agenda weit oben. Das Modell ist zwischenzeitlich auch schon eingetroffen. Jetzt müssen wir nur noch die Schulungen initiieren. Wir geben uns alle Mühe ;-)

Kommentare:

  1. Das mit dem "see one, do one, teach one" ist nur bei Leuten mit Interesse an Didaktik out. In den meisten Kliniken ist es nach wie vor "mega-in"!

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  2. Das ist natürlich wirklich schade. Auf der anderen Seite habe ich mich erst heute mit unserem OA, der sich um die Simulation "Intubation des Kritisch Kranken" kümmert, in dieser Angelegenheit unterhalten: Es ist unglaublich schwierig und ressourcenintensiv, derartige Projekte in unserem Umfeld anzustossen und am "Laufen" zu halten.

    Zusammenfassend nur eine wirklich Ernst gemeintes Durchhalteparole: Gemeinsam werden wir es schaffen, wir müssen nur damit anfangen. Und derartige Projekte werden an vielen Stellen auch im Studentenunterricht bereits praktiziert. Schauen Sie an die Uni Tübingen oder an die Uni Marburg. Und es wird vermehrt versucht, dies auch in die klinische Praxis der Weiterbildung zu integrieren. Bei Interesse und ein bisschen Engagement Ihrerseits würde ich mich bereit erklären, eine derartigen Workshop zu organisieren.

    Bis dahin, wir werden es schaffen. Die Eigeninitiative und der Wille, unseren Zustand in Notfall- und Intensivmedizin zu verbessern, werden unseren Erfolg sichern!

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  3. Ein hervorragender Beitrag des NEJM zum interaktiven Lernen: "Whistling in the dark"
    http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMimc1111913?query=featured_home

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