Montag, 20. August 2012

CAVE - Eigen-/Vordiagnosen von Patienten

Liebe Kollegen, wie häufig ist es (mir auch schon passiert), dass Patienten vehement die Ansicht vertreten, dass ihr Symptom, welches sie akut plagt, auf diese oder jene Erkrankung zurückzuführen ist. Und dies kann natürlich kräftig ins Auge gehen! Lesen Sie weitere .....

So im konkreten Fall: Die aufgetretenen Schmerzen waren letztendlich nicht auf eine orthopädische Ursache zurückzuführen, sondern auf einen akuten Myokardinfarkt, an dem der Betroffene verstarb. Und in einer richterlichen Entscheidung wurde festgelegt, dass in dieser Situation der behandelnde Arzt haftet. Lesen Sie selbst!

Was bedeutet das in der Situation in der Notaufnahme?
Zunächst einfach wachsam sein und sich nciht von Vordiagnosen bzw. Meinungen von Patienten ablenken lassen (Fixierungsfehler).

Dokumentieren Sie die erhobenen Daten in einer Art und Weise, so dass auch im Nachgang Ihre Entscheidungen nachvollzogen werden können. Dies bedeutet nicht, dass ellenlange Aufzeichnungen notwendig sind, sondern fokussiert niedergelegt ist, warum und wie Sie zu Entscheidungen gekommen sind. Gerne stehen wir Ihnen für Erklärungen zur Verfügung.

Kommentare:

  1. Da fällt mir der 23jährige Patient mit plötzlichen Schmerzen im Brustkorb und mehrfachem Erbrechen ein, der meinte, es sei wohl ein Pneumothorax, das habe er schon mal bei einem Freund gesehen. Das hat uns einige Zeit auf eine komplett falsche Fährte gelenkt.
    Die isolierte ST-Hebung in V2 hat uns dann noch zusätzlich verwirrt.
    Diagnose letztendlich: Aortendissektion Typ A.

    AntwortenLöschen
  2. Eine Anmerkung:
    In unserer ZNA arbeiten wir mit ECare, die Pflege gibt dort nach der Triage mittels ESI ein Stichwort ein, welches oft statt einem Leitsymptom ein Krankheitsbild beschreibt, welches im günstigeren Fall von der Einweisung des Hausarztes, im ungünstigeren Fall jedoch aus einer beiläufigen Bemerkung des Patienten stammt. Ich persönlich fände es wesentlich angenehmer wenn sich hier auf ein Symptom wie "rechtsseitiger Unterbauchschmerz" beschränkt würde, als zum Beispiel die Hausarzt-Verdachtsdiagnose "V.a. Appendizitis" zu dokumentieren. Warum? Gerade in Phasen hohen Patientenaufkommens erwischt man sich schnell einmal dabei nur noch focussiert auf Nachweis/Ausschluss der Einweisungsdiagnose hinzuarbeiten. Gefährlich, wenn es noch so viele andere DD´s gibt...

    AntwortenLöschen