Donnerstag, 14. Juni 2012

Intubation des Kritisch Kranken - Verwenden Sie Muskelrelaxantien?

Wir kennen ja die alte Grundsatzdiskussion: Der internistisch vorerfahrene Notfallmediziner schwört darauf, dass Muskelrelaxantien bei Notfallintubationen völlig fehl am Platz sei ("geht auch so", und wenn´s nicht klappt, dann schnauft er ja noch ....), der anästhesiologische Vorerfahrene rauft sich die Haare.

Nun, ich gehe davon aus, dass Sie in den Notaufnahmen oder auf den Intensivstationen routinemäßig relaxieren ... Nein, dann sollten Sie sich diesen Artikel zu Gemüte führen:
Wilcox und Kollegen haben eine entsprechende Studie an 454 Patienten durchgeführt (außerhalb OP und außerhalb ZNA). Die Ergebnisse sind überwältigend: Die Verabreichung von NMBs führt zu weniger Hypoxämien, weniger Komplikationen etc. etc.  Dies sollte doch nun wirklich Argument genug sein. Eine gute Kommentierung zum Thema findet sich auch auf Journal Watch.

Trotzdem ist kritisch zu diskutieren, dass die Inkubationen immer durch einen erfahrenen Intensivisten "supervidiert" wurden. Dies ist ein Zustand, der hochprofessionell ist, aber in Deutschland häufig nicht der Fall ist. Die jungen Kollegen aus unserer Klinik schwärmen deshalb davon, an einem Simulationstraining "Intubation des Kritisch Kranken" teilzunehmen. Wir bieten dies auch für externe Kollegen im Adventssymposium 2012 (14/15 Dezember in Nürnberg) an.

Kommentare:

  1. Bestimmt super so ein Simulatortraining. Als Ergänzung zu einer trotzdem anzustrebenden Supervision durch den Erfahrenen - nicht als Ersatz.
    In Ihrer Klinik kommt ja - wie im Post über den schwierigen Atemweg gelesen - ein spezielles Team zur Intubation in die Notaufnahme. In den meisten Notaufnahmen gerade einmal eine einzelne Schwester, die dem unerfahrenen Berufsanfänger bei der ggf. ersten Notfall-Intubation im Leben helfen soll. Da wird man dann schon neidisch auf die Kollegen im chir. Schockraum, die immer nur in Rudeln auftauchen... ;-)
    Wäre schön, wenn dies überall so professionell gehandhabt würde - zumal strenggenommen ein Organisationsverschulden an der Klinikleitung hängenbleibt, wenn doch mal was passiert. Natürlich nur theoretisch, denn in der Realität erwischt es dann den Assistenten.

    Freue mich auf Dezember!

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  2. Lieber Michael,
    ich glaube die Studie ist für die Notaufnahme mit Vorsicht zu betrachten, 70% der sogenannten Notfallintubationen passierten auf der Intensivstation (und dort darf die "Notfallintubation" a priori schon mal kein Notfall sein) und mit dem Personal-Aufwand Airway-Team, Resident,Attending etc. Man muss sich für ein Vorgehen entscheiden, mit 1 mg/kg Roc oder Succi schafft man sich natürlich bessere Voraussetzungen, aber man muss die Intubation auch erfolgreich durchführen oder man hat den Plan B.
    Wenn wir es schaffen, daß jeder Assistenz-Arzt erst einmal 200 Intubationen gemacht hat, bevor er intubiert hätten wir schon mal die Grundlage (...der kleine Anästhesist-). Dann könnte jeder auch mit den Relaxantien umgehen und die große Angst wäre weg. Aber bis dahin ist noch ein weiter Weg.

    Beste Grüsse aus Weiden
    Andreas

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  3. Lieber Andreas, ich danke Dir für Deinen Kommentar. Aber das Problem ist doch die fehlende Übung und die Grundvoraussetzung, wie wir in der Notfallmedizin tätig sein können. Bei der Narkoseeinleitung in Notfallsituationen durch den wenig Geübten wird doch durch zögerliches Vorgehen (z.B. Einleitung) eher ein Problem herbeigeführt. Durch die wenig geübte Unterstützung durch nicht-ärztliches Personal werden die Voraussetzungen zur Intubation auch nicht unbedingt gefördert. Deshalb sollten wir Übungsmöglichkeiten anbieten, Szenarien in Simulationen ermöglichen und regelmäßige Supervision anbieten ... Liebe Grüsse aus Basel (diesjährige MedArt ist genial .. Entsprechende Posts werden folgen)

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    1. Na denn viel Spaß in Basel
      Andreas

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  4. "Obligate Maskenbeatmung vor Relaxation Wo ist die Evidenz?"
    http://www.springerlink.com/content/06735362lxt41874

    Ein aktueller Artikel aus dem "Anästhesisten", der sehr gut die Pros und Kontras, die allerdings wohl eher historisch bedingt sind, der Relaxation diskutiert.Auch wenn es sich um "anästhesiologische" Patienten handelt werden klar die eindeutigen Vorteile einer Relaxation dargestellt.

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